Die Retter des Abendlands

Wenn sie in der Gesamtheit ihrer Ideologie nicht so unsäglich dumpf wären, wären die PEGIDisten aus Dresden ja irgendwie lustig.

Daß die beste Satire das Leben selbst schreibt, ist ja nix Neues. So schaffen es die PEGIDisten dann, wenn sie interviewt und über ihre Beweggründe befragt werden, ja meistens selbst, ihre Dummheit unter Beweis zu stellen. Das reicht von Verschwörungstheorien über abstruse Nazi-Esoterik bis hin zum Glauben, daß einzig "Russia Today" ein wahrheitsgetreu berichtendes Medium ist.

Den Vogel aber schießen diese Typen heute ab. Unter dem Motto "Weihnachten mit PEGIDA" laden sie bei ihrer "Montagsdemo" (für die Verwendung dieses Namen erntern sie übrigens Kritik von führenden Ex-DDR-Oppositionellen) heute zum gemeinsamen Singen von Weihnachdsliedern ein. Ich vermute, daß sie damit auf die nach ihrem kruden Weltbild gefährdete euopäische Weihnachtstradition hinweisen wollen. Dabei haben sie aber wieder einmal nicht weit genug gedacht.

1)
Die abendländische Weihnachtskultur fußt auf einem vorchristlichen Fest, dem Julfest, welches (ich glaub im 3. Jahrhundert) von der christlichen Kirche okkupiert wurde. Die Traditionen, wie wir sie heute kennen, haben sich dann im Lauf der Jahrhunderte aus der christlichen Tradition heraus entwickelt. Da die Hochburg der PEGIDA, also Dresden, nicht gerade als Hochburg des Christentums gilt, muß ich mich schon fragen, was die dann eigentlich verteidigen wollen. Den großen Einfkaufswahnsinn an den Adventswochenenden als "europäische Tradition", oder wie?

2)
Auf der PEGIDA-Facebook-Seite findet man ein Liedblatt für heute Abend, zum Ausdruken, mit den Texten von "Alle Jahre wieder", "Stille Nacht" und "Oh Du fröhliche". Hallo, geht es noch? Liedblätter? Wenn man doch die abendländische Kultur retten will, dann sollte man doch zumindest ansatzweise Ahnung davon haben - im konkreten Fall würde das bedeuten, daß man die Lieder auch ohne Liedblatt textsicher beherrscht.

3)
Wissen diese Typen eigentlich, daß die Hauptpersonen von Weihnachten, also in erster Linie Jesus, dazu Maria und Josef, selbst Flüchtlinge waren? Bekanntlich flohen sie vor Herodes nach Ägypten. Nach PEGIDA-Logik hätte man sie dort aber eher nicht aufnehmen dürfen, also hätten sie in Palästina bleiben müsse, wo man Jesus als Baby umgebracht hätte. Ob es die abendländische Weihnachtstradition dann überhaupt gäbe, darf bezweifelt werden.

4)
Die Liedauswahl ist kritikwürdig. Es handelt sich hier nicht nur um deutsches Liedgut, vielmehr ist mit "Stille Nacht" auch ein musikalischer Migrant vertreten. Wie passt das denn zur "Ausländer raus"-Mentalität des PEGIDA-Mobs?

22.12.14 17:49

Letzte Einträge: Ein paar Gedanken zu den Vorfällen der Silvesternacht in Köln, Ein paar Gedanken zu den Vorfällen der Silvesternacht in Köln, Ein paar Hintergründe zu der Rettung von Bootsflüchtlingen im Mittelmeer

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Philipp / Website (24.12.14 00:52)
Hallo,

Ich bin froh im Moment auf Urlaub in Kaiserslautern und nicht zu Hause in Dresden zu sein um mir das Elend dort anzusehen. Das schein ja so langsam immer beängstigender zu werden.

Ich kann auch nicht nachvollziehen was den Leuten da im Kopf herum geht. Man kann nur hoffen dass sich das bald wieder legt.

Grüße von einem Ex-KLer

Philipp