Bahnfahrers Leid (mal wieder)

Manchmal macht die Deutsche Bahn AG es gerade ihren treuen Kunden (zu denen ich mich durchaus zähle, immerhin komm ich im Jahr mit allen privaten und geschäftlichen Fahrten und meiner Jahreskarte für die Strecke Kaiserslautern - Frankfurt auf einen Umsatz von fast 10.000 Euro) schwer, ihre Entscheidungen zu verstehen.

Das jüngste Beispiel hierfür erlebe ich fast an jedem Arbeitstag. Bekanntlich arbeite ich in Frankfurt und wohne in Kaiserslautern, so daß ich diese Strecke mit der Bahn pendle. Abends nehme ich in der Regel den ICE, der Frankfurt um 16.58 Uhr verlässt und Kaiserslautern um 18.20 Uhr erreicht - oder zumindest habe ich das bis zum "kleinen Fahrplanwechsel" im April getan. Seither ist alles anders. Seitdem fährt mein Zug schon eine Minute früher, also um 16.57 Uhr, und kommt zwei Minuten später, also um 18.22 Uhr, an. Gut, mit diesen drei Minuten könnte ich leben. Aber das war leider nicht die einzige Veränderung.

Jetzt muß ich ein wenig weiter ausholen, um die Hintergründe zu erklären.

Seit geraumer Zeit betreiben die Deutsche Bahn und die französische Staatsbahn SNCF gemeinsam die Hochgeschwindigkeitsstrecke Frankfurt - Paris mit Zwischenhalt in Mannheim, Kaiserslautern und Saarbrücken - für mich eine ideale Verbindung, da ich umsteigefrei von Frankfurt nach Hause komme. Diese Strecke wird im Regelfall mit deutschen ICE3-Zügen bedient. Im Herbst kam es hier regelmäßig zu Verspätungen und Zugausfällen, weil, wie den Medien zu entnehmen war, die DB nicht über genügend "frankreichtaugliche" ICE3 verfügt (diese Züge müssen gegenüber denen im innerdeutschen Verkehr besonders ausgerüstet sein).

Zum "kleinen Fahrplanwechsel" hat man nun reagiert und eines der täglichen Zugpaare durch einen französischen TGV ersetzt, d.h. einmal täglich fährt in jeder der beiden Richtungen stattt eines ICE3 ein angemieteter TGV. So weit, so gut. Daß diese TGV in Sachen Komfort, Platz, Lärm, etc. gegenüber den deutschen ICE3 schlechter abschneiden, wäre für mich noch akzeptabel.

Das Problem ist allerdings, daß ein TGV rund 1/3 weniger Sitzplätze als ein ICE3 hat. Und genau da hört der Spaß auf! Was für ein Idiot bei der DB ist auf die Idee gekommen, aus den je Richtung sechs täglichen Verbindungen zwischen Main- und Seine-Metropole ausgerechnet jene durch einen TGV bedienen zu lassen, die genau im Berufsverkehr unterwegs ist, ist mir unbekannt - aber ich weiß, daß er eine ganz miese Idee gehabt hat. Wer sich auskennt, der weiß, daß gerade zwischen Frankfurt und Mannheim unheimlich viele Leute pendeln. Somit war der bisherige ICE3 immer schon gut gefüllt. Jetzt, mit dem TGV mit deutlich geringerer Kapazität ist es fast unmöglich, einen nicht reservierten Platz zu finden. Eine gewisse Überfüllung ist die Regel - und ehrlich, von Frankfurt bis Mannheim zu stehen ist nicht so toll. Hätte man nicht vielleicht eher einen Zug zu einer weniger stark frquentierten Zeit durch den TGV ersetzen können?

Klugscheißen könnten mir jetzt natürlich den tollen Tipp geben, daß ich mir ja einen Platz reserviern könne. Aber mal ganz ehrlich, glauben die, ich hätte 1.000 Euro zu verschenken? 1.000 Euro? Genau, 1.000 Euro! Rechnen wir doch mal: man arbeitet im Jahr geschätzte 200 Tage. Eine Reservierung kostet 5,00 Euro. 200 x 5 = 1.000. Nee, danke, das ist nicht drin! Immerhin zahl ich ja für die Jahreskarte schon rund 2.800 Euro.

Besonders ätzend wird die Situation übrigens dadurch, daß es in den TGV nicht mal einen bahn.comfort-Sitzplatzbereich gibt, wo man als Vielfahrer ja in der Regel einen Platz finden würde.

Wirklich eine reife Leistung, liebe DB!



7.5.09 12:19

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