Tradition versus Kommerz, Leidenschaft versus Marketinginstrument




Nicht mal mehr eine Stunde, dann beginnt ein Fußballspiel, welches eigentlich niemand braucht. Mein Verein, der 1. FC Kaiserslautern, die Roten Teufel vom Betzenberg, tritt in Leipzig an. Aber nicht etwa bei einem der dortigen Traditionsverein wie Sachsen oder Lok. Gegner ist vielmehr der Verein Red Bull Leipzig.

Halt, Moment, da hab ich ja was Falsches geschrieben.

Red Bull Leipzig ist natürlich falsch, denn der Verein heißt ja RasenBallsport Leipzig. Ganz so blöd war der DFB dann doch nicht, daß er den Vereinsnamen Red Bull zugelasse hat.

Und Verein ist im Prinzip auch falsch, denn auch wenn dieses Konstrukt offiziell den Rechtsstatus eines e.V. haben mag, so ist er letztlich nur eine Abteilung des großen österreichischen Brauseherstellers. Das Sagen haben dort nur die Manager des Konzerns. Letztlich ist dieses Konstrukt, welches nicht etwa aus sportliche Gründen, sondern nur unter Marketinggesichtspunkten gegründet wurde, die Perversion der sowieso schon perversen Entwicklung, daß Großkonzerne wie Bayer oder VW bzw. Millionäre wie Hopp Vereine kaufen.

Das Magazin "11 Freunde" hat die wesentlichen Kritikpunkte an Rote Brause Leipzig (wie der Club gerne spöttisch genannt wird) in einem sehr gute Artikel zusammengefasst. Lesenswert!

Letztlich ist dieser "Verein" genau wie das Produkt, welches er bewirbt: niemand braucht ihn wirklich!

Hoffen wir, daß der Betze dieses Marketinginstrument in Grund und Boden schießt.

Zum Weiterlesen: Faninitiative "Nein zu RB"

3.11.14 19:51, kommentieren

Braune Propaganda, Teil 2

Gester hab ich ja über die Panikmache wegen eines angeblichen Ebola-Falls in Kaiserslautern berichtet, die die rechtsextreme NPD verbunden mit der üblichen Hetze gegen Flüchtlinge auf Facebook verbreitet hat. Daß an dieser Panikmache genau nichts dran war, war mir von Anfang an klar. Die Meldung wurde auch recht bald durch durch mimikama.at, eine der bekanntesten Websites, die sich mit dem Aufdecken von Hoaxes befasst, zur Falschmeldung erklärt. Auch der SWR bestätigte, daß kein Ebola-Verdacht bestünde (wobei ich mir nicht sicher bin, ob ich es gut finde, daß die überhaupt auf eine solche Panikmache der NPD reagiert haben - aber immerhin haben sie Quelle nicht erwähnt).

Es ist also klar, daß es sich bei dieses Posting des Faschistenpacks um Hetze und Panikmache handelte. Das haben wohl inzwischen alle kapiert, nur die braunen Hohlköppe nicht. Nachdem man ihnen mitgeteilt hatte, daß ihre Panikmache schlichtweg unbegründet war, kam von denen ebenfalls auf Facebook die Frage:

De Frage ist, weshalb der OB Weichel sich mit einer legitimierten Antwort zurück hält.

Abgesehen davon, daß es "zurückhält" und nicht "zurück hält" heißen muß (was meine These bestätigt, daß die ach so guten Doitschen irgendwie immer herzlich wenig Ahnung von der doitschen Sprache haben), stellt sich die Frage, wie das Nazipack sich das vorstellt?

Warum soll ein OB zu etwas, das gar nicht existiert, ein Statement abgeben?

Woher soll der OB überhaupt wissen, was da los war? Sofern es sich nicht um eine meldepflichtige Infektionskrankheit handelt, erfährt die kommunale Verwaltung nicht, welcher Art die Rettungsdiensteinsätze waren. Wir leben hier schließlich nicht in einem Überwachungsstaat, vielmehr gilt hier das Patientengeheimnis

Durch diese Frage hat das Nazigesocks einmal mehr bewiesen, daß sie auch für die Kommunalpolitik denkbar ungeeignet sind, denn wenn man schon meint, da mitmischen zu müssen, dann sollte man zumindest ansatzweise Ahnung von der Materie haben. Falls nicht, dann disqualifiziert man sich ganz schnell selbst (was ja in diesem Fall nicht verkehrt ist).

15.10.14 09:35, kommentieren

Braune Propaganda

Daß ich regelmäßig das große Kotzen kriege, wenn das Faschistenpack der NPD meint, gegen Menschen mit Migrationshintergrund hetzen zu müssen, dürfte ja bekannt sein. Momentan ist der Würgereflex allerdings extrem stark. Der Grund dafür ist ein Facebook-Posting des Accounts "NPD-Kreisverband Westpfalz".

Das Faschistenpack hat das folgende Bild gepostet:



Unter dem Bild stand folgender Text:


EBOLA-Verdacht in Kaiserslautern????
Dieses Bild konnte heute im Stadtteil Kalkofen gemacht werden, der seit Monaten mit Asylanten geflutet wird. Direkt neben dem Kindergarten hat die Stadt Wohnblöcke geräumt, um statt der deutschen Wohnbevölkerung Scheinasylanten einzuquartieren. Kommt jetzt die Quittung für den Überausländerungswahn? Die Rettungskräfte in Ganzkörperschutzanzügen lassen das Schlimmste vermuten.


Dieser Propagandatext des Faschistenpacks entspricht ja der üblichen Masche: man nehme verschiedene aktuelle Reizbegriffe (hier: "Ebola" und "Asylanten") und kombiniere die recht willkürlich zu einer reißerischen Formulierung (hier: "Ebola-Verdacht in Kaiserslautern"). Und schon kann man wunderbar gegen die vermeintlichen Überträger der bösartigen Seuche, nämlich die Asylanten, hetzen. Eigentlich ein armseliger Propagandatrick, aber wenn man die Kommentare bei Facebook liest, gibt es tatsächlich ein paar geistige Tiefflieger, die darauf anspringen.



Nun ist plumpe Hetze gegen ausländische Mitbürger bei der NPD ja nichts wirklich Neues, sondern leider die Regel (was diese Hetze natürlich nicht besser macht). Diese Hetze allein reicht bei mir ja schon aus, um den oben erwähnten Würgereflex auszulösen.

Dieses Mal wird der aber noch dadurch verschlimmert, daß das Faschistenpack versucht, das Deutsche Rote Kreuz zu instrumentalisieren. Ausgerechnet das DRK als Teil der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung. Wir erinnern uns an die DRK-Grundsätze:

- Menschlichkeit
- Unparteilichkeit
- Neutralität
- Unanhängigkeit
- Freiwilligkeit
- Einheit
- Universalität.

Gerade der Grundsatz der Unparteilichkeit zeigt doch wohl deutlich, daß das DRK sich nicht für solche rechte Propaganda interpretieren lässt: Die Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung unterscheidet nicht nach Nationalität, Rasse, Religion, sozialer Stellung oder politischer Überzeugung. Sie ist einzig bemüht, den Menschen nach dem Maß ihrer Not zu helfen und dabei den dringendsten Fällen den Vorrang zu geben.

Im konkreten Fall wird hier mit einem Bild, auf dem Mitarbeiter und Fahrzeuge der DRK Rettungsdienst Westpfalz GmbH, einer Tochter "meines" DRK-Kreisverbands Kaiserslautern-Stadt e.V., zu sehen sind, gegen ausländische Mitbürger gehetzt. Ehrlich, ich bin grade stinksauer auf das braune Gesocks!

14.10.14 09:18, kommentieren

Super, Ingo! - Oder: Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten!

Ingo Wellenreuther ist im Hauptberuf Mitglied des Deutschen Bundestags. Mag sein, daß dieser berufliche Hintergund die Erklärung dafür ist, daß er es fertigbringt, minutenlang zu reden, ohne dabei jedoch wirklich etwas zu sagen.

Nun sind mir irgendwelche Bundestags-Hinterbänkler grundsätzlich egal. Dummerweise ist "Super-Ingo", wie er gerne ironisch genannt wird, nebenbei allerdings auch noch Präsident des Karlsruher Sportclubs (wobei viele Leute der Meinung sind, daß er diesen Job genauso schlecht macht wie den als MdB). Und in dieser Eigenschaft hat er Stellung zu den Vorfällen rund um das Zweitliga-Derby 1.FCK vs. KSC am vergangenen Samstag genommen:

Wellenreuther-Statements in der SWR-Mediathek

Nur zur Erinnerung: Anhänger des Karlsruher Sportclubs sind durch mehrere Absperrungen gebrochen, um sich in Richtung der Lauterer Fankurve zu begeben. Daß gewisse Kreise des Lauterer Anhangs dieses Angebot angenommen haben und daraus dann eine wüste Schlägerei geworden ist, ist unbestritten, aber wenn man Wellenreuthers Blabla hört, dann könnte man meinen, daß er die Schuld ausschließlich auf den FCK bzw. seine Anhänger schiebt.

Klar, es gab ja auch pöhse Schmähgesänge á la "Karlsruh', Karlsruh', wir scheißen Euch zu" oder "Karlsruh' verrecke". Das rechtfertigt natürlich die Empörung des Karlsruher Mobs, die zu dieser Aggressivität geführt hat. Denn die ach so netten KSC-Anhänger würde solche Schmähgesänge gegen den Gegner natürlich nie bringen...



Mein lieber Super-Ingo,

vom Comedian Dieter Nuhr stammt der bekannte Spruch: "Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten!" Aber nein, Sie sind ja Akademiker, genauer gesagt Jurist, also möchte ich es anders formulieren (wobei die Grundaussage gleich bleibt): "Si tacuisses philosophus mansisses!". Wäre schön, wenn sie diesen Ratschlag mal befolgen würden.

Verbale Auseinandersetzungen gehörten schon immer zum Fußball dazu und werden sicher auch in Zukunft dazu gehören. Das mag nicht jedem gefallen, aber es ist nun mal so, daß solche verbal ausgetragenen Rivalitäten Teil der Fankultur sind - gerade auch bei emotionsgeladenen Derbys. Wem das nicht passt, der sollte sich vielleicht mal überlegen, ob er als Funktionär bei einem Traditionsverein (welcher der KSC, auch wenn ich ihn nicht leiden kann, nun mal ist) an der richtigen Stelle sind. Wenn sie gegen Emotionen auf den Rängen sind, dann sollten Sie vielleicht als Funktionär zur TSG Hoppenheim, zu RoteBrause Leipzig oder irgendeinem anderen Retortenclub gehen. Oder noch besser, vielleicht sollten Sie sich einfach ein Sky-Abo kaufen. Auf ihrer aktuellen Position als KSC-Präsident sind sie jedenfalls fehl am Platz. Aber diese Stellung dürfte Ihnen ja nicht fremd sein, denn das sind sie ja, wenn man ihre bisherigen politischen Leistungen betrachtet, auch im Bundestag.

8.10.14 14:02, kommentieren

Gewalt im Stadion

Die meisten Leute aus meinem Umfeld werden schon mitgekriegt haben, daß am vergangenen Samstag beim Zweitliga-Derby 1.FCK vs. KSC auf dem Betze so Manches aus dem Ruder gelaufen ist. Die Medien haben ja groß drüber berichtet, so daß ich gar nicht mehr auf die direkten Geschehnisse eingehen will.

Was mir allerdings im Nachhinein sauer aufstößt, das sind zwei Punkte.

1) Schuldzuweisungen an Polizei, Ordnungsdienst und Security

2) Glorifizierung der Schläger aus dem FCK-Umfeld

zu 1)
Wenn man die einschlägigen Medien (u.a. das Fan-Forum DBB) verfolgt, dann findet man dort immer wieder den Versuch, die Schuld für die Klopperei im Stadion bei Polizei, Ordnungsdienst oder Security zu suchen. Leute, das ist absoluter Quatsch. Egal, ob die Taktik dieser Einheiten richtig oder falsch war, egal, ob man die Schlägerei hätte verhindern können, die Verantwortung und die Schuld dafür liegt immer bei denen, die sich prügeln. So einfach ist das.

zu 2)
Immer wieder findet man derzeit Berichte bzw. Meinungen, in denen die Lautrer, die sich an der Schlägerei beteiligt haben, zu Helden hochstilisiert werden, denn sie hätten ja nur Unschuldige beschützen wollen. Mag sein, daß das bei einigen Wenigen tatsächlich die Motivation war, aber wenn man sich die einschlägigen Videos anschaut, dann erkennt man recht bald, daß das auf die Wenigsten zutrifft. Da sind in der Fanszene einschlägig bekannte Gesichter dabei, da sind auch Personen dabei, bei denen man anhand des Outfits die Zugehörigkeit zu gewissen gewaltsuchenden Gruppierungen deutlich erkennt. Und da sind sogar welche, die - natürlich nur rein zufällig - eine Sturmhaube aka Haßkappe im Stadion mitführen, die sie sich zur Klopperei aufziehen. Klar, die waren natürlich nur mit dem Motorrad da und hatten die als Kälteschutz dabei. ;-)

Ich hoffe, auf eine lückenlose Aufklärung durch die Justiz. Sollte jemand tatsächlich aus altruistischen Gründen gehandelt haben, dürfte er vor Gericht einen Freispruch kassieren, denn § 32 (2) StGB regelt klar, daß Notwehr auch dann gilt, wenn es um die Abwehr eines rechtswidrigen Angriffs auf einen Anderen geht.

Sollte das jedoch verneint werden, hoffe ich, daß die entsprechenden Regelungen wie Körperverletzung, Haus- bzw. Landfriedensbruch, Notwehrexzess. etc. in voller Härte zur Anwendung kommen. Das Stadion ist kein rechtsfreier Raum und Gewalttäter sind keine Helden!

7.10.14 15:07, kommentieren