Polizeiwillkür?!?!

Am Dienstag Abend fand in Karlsruhe eine Demo des PEGIDA-Ablegers KARGIDA statt. Ebenso gab es Proteste gegen diesen Aufmarsch der Rechtspopulisten bis -etremisten. Im Rahmen dieser Proteste kam es u.a. zu einem Vorfall, bei ein Sanitäter der Sanitätsgruppe Süd-West nicht nur bei der Versorgung eines Patienten behindert wurde, sondern auch noch von der Polizei festgenommen wurde. Einen Bericht über die Vorfälle am Dienstag findet man bei KA-News. Nachfolgend ein paar Zitate daraus:

"Es wurde heute von der Polizei in außergewöhnlich eskalierender Weise vorgegangen. Die Behandlung eines Patienten wurde durch die Polizei in brutaler Art unterbrochen, der Sanitäter zur Seite gestoßen und später verhaftet", kritisiert Lena Schmidt, Pressesprecherin der Sanitätsgruppe Süd-West in einer Pressemitteilung, "Wir verurteilen das Vorgehen der Polizei aufs Schärfste." Die Sanitätsgruppe Süd-West sicherte nach eigenen Angaben zusammen mit den Demosanitätern Freiburg die Gegenproteste ab. Insgesamt wurden vier Verletzte behandelt, die Sanitätsgruppe geht jedoch von einer viel höheren Dunkelziffer aus.

...

Die Stellungnahme der Polizei zum Vorwurf, einen Sanitäter an der Behandlung eines Verletzten gehindert zu haben, liegt vor. Gegenüber ka-news erklärt ein Sprecher, dass es im Bereich der Hirsch-/Kaiserstraße zu Steinwürfen von Seiten der Demonstranten kam.

Die Polizei griff ein, es kam zu Auseinandersetzungen. Anschließend seien die Demonstranten weg gerannt, darunter offenbar auch der junge Mann, der wenig später von einem Sanitäter auf Höhe des Rewe-City (unweit des Europaplatzes) behandelt wurde. Während seiner Behandlung beleidigte er die Einsatzkräfte massiv, so der Sprecher. Als die Polizei ihn deswegen festnehmen wollte, habe der junge Mann erneut die Flucht ergriffen.

Kurze Zeit später wurde er ausfindig gemacht und einem Rettungsteam übergeben. Ihn erwartet eine Anzeige wegen Beamtenbeleidigung. Der Sanitäter soll in der Zwischenzeit einen Polizeibeamten tätlich angegriffen haben - deshalb erwartet auch ihn eine Anzeige.


Was die Polizei hier abgezogen hat und was sie der Öffentlichkeit weismachen will, ist eine riesengroße Sauerei. Aufgrund eigenen Engagements kenne ich die Einsatzgrundsätze der genannten Sanitätsgruppe und weiß daher, daß es für die Mitglieder dieser Gruppe ein absolutes No-Go ist, Gewalt gegen Irgendjemanden anzuwenden. Insofern ist die Aussage, daß der betreffende Sanitäter Gewalt gegen einen Polizeibeamten verübt haben soll, grundsätzlich absolut unglaubwürdig.

Hinzu kommt, daß ich die betreffende Person persönlich kenne und mir ihr in Kontakt stehe. Von daher weiß ich, daß sie keinerlei Gewalt angewendet hat. Was die Polizei hier erzählt, ist also eine klare Lüge!

Ich kann mir diese bewußt unwahre Mitteilung der Polizei nur so erklären, daß man damit von eigenen Fehlverhalten ablenken will. Einen Sanitäter davon abzuhalten, einen Verletzten fachgerecht zu behandeln (daß die betreffende Person das kann, steht aufgrund seiner beruflichen Qualifikation als Rettungsassistent außer Frage), ist von strafrechtlicher Relevanz, da sich die betreffenden Polizisten hier u.a. eines Verstoßes gegen § 323 c (Unterlassene Hilfeleistung) vorliegen kann. Hier drängt sich der Verdacht auf, daß man dieses strafrechtlich relevante Vorgehen der Polizisten nachträglich damit rechtfertigen will, daß man behauptet, der Sanitäter seí gewalttätig gewesen und habe daher festgenommen werden müssen.

Da muß man sich schon fragen, wer uns eigentlich vor solchen Polizisten beschützt?

5.3.15 17:49, kommentieren

Facebook? Die spinnen doch!

Soeben erlebt: eine Person aus meinem Freundeskreis (oder vielmehr: ehemals in meinem Freundeskreis, jetzt nicht mehr) hat ein eindeutig ausländerfeindliches Posting verfasst, in welchem Ausländer als "Wichser" bezeichnet wurden und in dem dazu aufgefordert wurde, sie "kaltzumachen". Das Posting endete mit "Sieg Heil!".

Eine umgehend erfolgte Meldung bei Facebook führte zu der Antwort, daß man diesen Beitrag nicht löschen würde.

Geht's noch?

2 Kommentare 22.2.15 10:58, kommentieren

SAARGIDA? Hahaha!

Eigentlich sollte man Angst haben vor der Tatsache, daß sich so viele Menschen unter der Flagge der PEGIDA bzw. ihrer regionalen Ableger (hier im Saarland nennen sie sich SAARGIDA) sammeln, denn selbst wenn man manchem Demonstranten zugutehalten muß, daß er kein Ausländerfeind ist, sondern sich aus welchen Gründen auch immer um irgendetwas Sorgen macht, so dürfte dennoch zweierlei klar sein:

1)
Die PEGIDA-Bewegung ist zweifelsohne von Rechtsradikalen unterwandert. Wer dort also als "Nicht-Ausländerfeind" mitmacht, der lässt sich zumindest von diesen Rechtsradikalen instrumentalisieren, denn klare Abgrenzungen vom extrem rechten Lager konnten bisher nicht verzeichnet werden.

2)
Es bestätigt sich wieder einmal, daß dumme Menschen einen Führer suchen, dem sie hinterherhecheln können. Und wenn man die bisherigen Interviews mit PEGIDA-Anhängern hört bzw. liest, dann scheint Dummheit dort weit verbreitet zu sein, denn so viele Verschwörungstheorien und obskure Weltbilder auf einem Fleck dürfte man sonst selten finden. Dazu passt ja auch die Ablehnung der seriösen Medien als "Lügenpresse" und die Bevorzugung vermeintlich seriöser Medien wie "Russia Today".

Wie gesagt, eigentlich müsste man Angst haben...

... wenn es nicht des gestrigen Montag gegeben hätte. An jenem Tag gingen bekanntlich in ganz Deutschland Menschen auf die Straße, um gegen die Intoleranz und Engstirnigkeit der PEGIDA und ihrer Ableger zu demonstrieren - und das in einer Zahl. die die Zahl der PEGIDA-Demonstranten um ein vielfaches übertraf.

Hier in Saarbrücken hatte für gestern die SAARGIDA erstmals zu einer Demonstration durch die Fußgängerzone aufgerufen. Daß der Anmelder beste Kontakte ins rechte Milieu hat, hielt die SAARGIDA-Macher nicht davon ab, diese auf dem SAARGIDA-Facebook-Account zu leugnen:


Hiermit distanzieren wir uns öffentlich von der NPD, der SageSa sowie von radikalen Kräften, egal ob rechts-, links- oder religiösradikal und teilen euch mit, dass die Teilnahme der NPD an der morgen stattfindenden Demo nicht gewünscht ist.


Nun ja, die Realität sah anders aus. Von den je nach Quelle 150 bis 300 SAARGIDA-Leuten, die sich an der Europagalerie trafen, gehörte wohl rund die Hälfte zur NPD und anderen rechtsextremen Gruppen, wie die Saarbrücker Zeitung in ihrer heutigen Ausgabe berichtet:


Zur ersten SAARGIDA-Demonstration haben sich gestern Abend kanpp 300 Menschen vor der Europagalerie in Saarbrücken versammelt. Etwa die Hälfte der Teilnehmer rechneten Beobacher der rechtsextremen Szene zu."


Teilnehmer waren u.a. der NPD-Landeschef Peter Marx, der NPD-Anwalt Peter Richter und der im Südwesten nicht unbekannte Neonazi Sascha Wagner. Zumindest für die SAARGIDA kann man also feststellen, daß sie massiv durch Rechtsextremisten geprägt wird.

Zurück zum Thema "keine Angst" haben: Während sich vor der Euopagalerie Rechtsextremisten und ihre Unterstützer (ob bewußt oder unbewußt, das sei mal dahingestellt) sammelten, um durch die Stadt zu marschieren, gab es gleichzeitig eine vom Saarbrücker Bündnis "Bunt statt braun" organisiere Gegendemo unter dem Motto "Bunt statt braun - nosaargida". Im Vorfeld war in den Medien zu lesen, daß man mit 2.000 bis 3.000 Teilnehmern rechnen würde. Was dann aber geschah, war einfach überwältigend: 9.000 Menschen waren dem Aufruf gefolgt und zogen von der Ludwigskirche auf den St. Johanner Markt, wo die Abschlußkundgebung stattfand. Und ehrlich, der Markt war voll:





Die Abschlußkundgebung begann mit einer Trauerminute für die Opfer des islamistischen Terrors in Frankreich, anschließend kamen Redebeiträge der beiden großen Kirchen, der muslimischen Gemeinde im Saarland, aller im Landtag vertretenen Parteien und des DGB. Den meisten Applaus bekam die Moderatorin aber für die Durchsage, daß SAARGIDA auf ihren geplanten Marsch durch die Stadt verzichten würde und nur an der Europagalerie eine Mahnwache abhalten werde. Tja, da war der Druck der Straße wohl doch zu groß.

Mein Fazit: der gestrige Tag hat ein wichtiges Zeichen gesetzt und Mut gemacht. Die Spinner von PEGIDA & Co. sind nicht, wie sie ja anmaßenderweise immer wieder behaupten, daß Volk, sondern nur ein marginaler Bruchteil der Bevölkerung. Wie hieß es neulich in Dresden bei einer Gegendemo so schön: Ihr könnt noch so Volk sein, wir sind Völker!"

Oder, wie es gestern jemand sehr treffend auf einem Plakat geschrieben hat:



Wäre das gestern ein Fußballspiel gewesen, würde das Ergebnis wie folgt lauten: Demokratie 1 : SAARGIDA 0

Das Saarland hat gestern gezeigt, daß es nicht auf den braunen PEGIDA-Müll reinfällt. Gut so! Glückauf!

5 Kommentare 13.1.15 14:16, kommentieren

Die Retter des Abendlands

Wenn sie in der Gesamtheit ihrer Ideologie nicht so unsäglich dumpf wären, wären die PEGIDisten aus Dresden ja irgendwie lustig.

Daß die beste Satire das Leben selbst schreibt, ist ja nix Neues. So schaffen es die PEGIDisten dann, wenn sie interviewt und über ihre Beweggründe befragt werden, ja meistens selbst, ihre Dummheit unter Beweis zu stellen. Das reicht von Verschwörungstheorien über abstruse Nazi-Esoterik bis hin zum Glauben, daß einzig "Russia Today" ein wahrheitsgetreu berichtendes Medium ist.

Den Vogel aber schießen diese Typen heute ab. Unter dem Motto "Weihnachten mit PEGIDA" laden sie bei ihrer "Montagsdemo" (für die Verwendung dieses Namen erntern sie übrigens Kritik von führenden Ex-DDR-Oppositionellen) heute zum gemeinsamen Singen von Weihnachdsliedern ein. Ich vermute, daß sie damit auf die nach ihrem kruden Weltbild gefährdete euopäische Weihnachtstradition hinweisen wollen. Dabei haben sie aber wieder einmal nicht weit genug gedacht.

1)
Die abendländische Weihnachtskultur fußt auf einem vorchristlichen Fest, dem Julfest, welches (ich glaub im 3. Jahrhundert) von der christlichen Kirche okkupiert wurde. Die Traditionen, wie wir sie heute kennen, haben sich dann im Lauf der Jahrhunderte aus der christlichen Tradition heraus entwickelt. Da die Hochburg der PEGIDA, also Dresden, nicht gerade als Hochburg des Christentums gilt, muß ich mich schon fragen, was die dann eigentlich verteidigen wollen. Den großen Einfkaufswahnsinn an den Adventswochenenden als "europäische Tradition", oder wie?

2)
Auf der PEGIDA-Facebook-Seite findet man ein Liedblatt für heute Abend, zum Ausdruken, mit den Texten von "Alle Jahre wieder", "Stille Nacht" und "Oh Du fröhliche". Hallo, geht es noch? Liedblätter? Wenn man doch die abendländische Kultur retten will, dann sollte man doch zumindest ansatzweise Ahnung davon haben - im konkreten Fall würde das bedeuten, daß man die Lieder auch ohne Liedblatt textsicher beherrscht.

3)
Wissen diese Typen eigentlich, daß die Hauptpersonen von Weihnachten, also in erster Linie Jesus, dazu Maria und Josef, selbst Flüchtlinge waren? Bekanntlich flohen sie vor Herodes nach Ägypten. Nach PEGIDA-Logik hätte man sie dort aber eher nicht aufnehmen dürfen, also hätten sie in Palästina bleiben müsse, wo man Jesus als Baby umgebracht hätte. Ob es die abendländische Weihnachtstradition dann überhaupt gäbe, darf bezweifelt werden.

4)
Die Liedauswahl ist kritikwürdig. Es handelt sich hier nicht nur um deutsches Liedgut, vielmehr ist mit "Stille Nacht" auch ein musikalischer Migrant vertreten. Wie passt das denn zur "Ausländer raus"-Mentalität des PEGIDA-Mobs?

1 Kommentar 22.12.14 17:49, kommentieren

Tschüß, Fiede! Eine Ära ging zu Ende.

Wie ich jetzt erst erfahren habe, ging Ende September Fiede Nissen, der legendäre Postschiffer von der Hallig Langeness, in den Ruhestand.

Mach's gut, Fiede!

Artikel aus SPON

6.11.14 20:16, kommentieren